
Streets of Rage II
Ein nostalgischer Takedown-Klassiker
Mit dicken 16‑Megabit‑Modul und dynamischen, deutlich vergrößerten Sprites katapultierte dich „Streets of Rage II“ 1992/93 zurück in die Ära, in der die Wohnzimmer zum arcadeähnlichen Schlachtfeld wurden. Wenn Axel, Blaze, Max oder Skate loslegen, erinnerst du dich sofort an nächtliche Sessions im Coin‑Op oder an das brummende Gefühl, das Mega‑Drive‑Pad fest im Griff. Die Straßen sind lebendiger, die Combos härter, die Gegner intelligenter – und begleitet wirst du von wummernden Dance‑Beats, die nochmal eine ganze Klassenstufe über dem ohnehin großartigen Original liegen. Genau diese Kombination aus technischer Finesse und spielerischer Vielfalt macht das Erlebnis auch heute noch unvergessen.
- Titel: Streets of Rage II (Japan: Bare Knuckle II: Shitō e no Chinkonka)
- Entwickler: Sega (Kern-Programmierung), Ancient (Art/Design), Shout! Design Works, MNM Software, H.I.C.
- Plattform: Sega Mega Drive (ursprüngliche Version)
- Release: Nordamerika: 20. Dezember 1992; Japan: 14. Januar 1993; Europa: Januar 1993
- Genre: Side‑Scrolling Beat ’em up
- Komponist: Yuzo Koshiro (mit Unterstützung von Motohiro Kawashima)
Unsere Gamebewertung
- Gameplay: 9/10
- Grafik: 8/10
- Sound: 10/10
- Spielspaß: 9/10
- Langzeitmotivation: 8/10
- Gesamtwertung: 9/10
„Leckerbissen“ – Die Story in Aktion
Das Spiel nimmt dich ein Jahr nach dem ersten Teil mit auf eine neue Mission gegen das Syndikat. Mr. X hat wieder zugeschlagen, die Stadt steht Kopf, Adam Hunter wurde entführt. Axel und Blaze sind zurück im Einsatz – doch diesmal nicht allein: Max, der muskelbepackte Ringer, schmeißt sich taktisch wuchtig in die Schlägereien, während Eddie „Skate“ Hunter mit Rollschuh-Geschwindigkeit für frischen Wind sorgt. Jeder Charakter bringt seinen eigenen Style mit – ob gnadenlose Power oder rasender Tempoangriff.
Die einzelnen Levels – von der neonbeleuchteten Bar über die Brückenkeilerei bis hin zur finalen Fabrik mit Hubkar-Elevator – öffnen gezielt neue Perspektiven, überraschen mit Zuschauern und Motorradhorden und sorgen dafür, dass du nie lange im selben Muster verharrst. Die besondere Mischung aus Straßenkampf und kinetischer Abwechslung erzeugt dieses typische „Immer-wieder-Neustart“-Gefühl, wenn nach dem Game‑Over das Spiel schon wieder in voller Action steht.
Was das Gameplay so hergibt
Street‑Level‑Einstieg: Du wählst zwischen Axel (ausbalanciert), Blaze (kräftig mit Reichweite), Max (langsam, aber hart schlagend), Skate (super schnell, aber leichter).
Mithilfe von Kombos, Tritten, Griffen und Spezialmoves säuberst du Wellen ausgehungerter Straßenschläger. Anders als im Vorgänger gibt’s jetzt individuelle Blitz-Spezialattacken für jeden helfenden Charakter, die mit Doppeltipp + Angriff ausgelöst werden – ein Nackenbrecher für Axel, ein Kreisel-Overlay für Blaze, Power‑Ringer Bomber für Max oder Skate‑Wirbel für Eddie.
Waffen wie messerscharfe Klingen, Messer und Baseballschläger tauchen auf, Wasserflaschen oder Schusswaffen geworfen – die taktische Auswahl rundet das Kampferlebnis ab.
Co-op-Modus lässt zwei Spieler gemeinsam die Gasse rocken oder im Duellmodus gegeneinander antreten – für kurze, aber intensive Rivalität.
Trivia & Hintergrundwissen
- Das Mega‑Drive‑Modul war Segas erster Titel mit 16 Megabit, was die deutlich besser animierten Figuren und größere Level zuließ.
- Die Rollen von Max und Skate entstanden gezielt, um zwei Spielertypen zu bedienen: maximale Wucht oder extremes Tempo.
- Die Grafikerin Ayano Koshiro, Yuzos Schwester und Mitgründerin von Ancient, integrierte Street‑Fighter‑II‑Mechaniken – wie Doppeltipp‑Blitzangriffe – ins Gameplay.
- Inspirationsquellen waren neben Street Fighter II auch Manga wie Baki und Apocalypse Zero, was sich in düsteren Charakteren und Wäldchen-Level zeigt.
- uzo Koshiro orientierte sich klanglich an frühen ’90s‑Club‑Acts wie The Orb, Prodigy und Eon, um den Sound stärker ans Nachtleben anzulehnen.
- Axel Stones Spezialattacke heißt offiziell “Ground Upper” – man hat es über Jahre als „Grand Upper“ missverstanden.
- Als einer der ersten Komponisten wurde Koshiro unter seinem echten Namen im Spiel-Titelbildschirm genannt.
Grafik & Sound
Die Grafik wirkt dank größerer Sprites und flüssiger Animationen wie ein Spiel aus der Spielhalle. Umgebungen mit Hintergrundfiguren, Motorrädern und interaktiven Objekten (z. B. Zuschauer, die eingreifen) zeigen, wie weit das Mega‑Drive entwickelt wurde .
Yuzo Koshiros Musik ist eine explosive Fusion aus Electro‑Funk, Trance und Hardcore‑Techno – der YM2612‑Chip schafft stampfende Bässe, panning Break‑Beats und Melodien, die eher aus dem Club als dem Wohnzimmer stammen . Motohiro Kawashima steuerte mit seinem Track “Expander” einen besonders harten Rave‑Sound bei . Atmosphärisch unterstützt der Sound jedes Level‑Thema – die Bars werden bassig cool, die Brücken aggressiv treibend, die finalen Gänge episch treibend.
Side‑Facts zur Entwicklung
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Yuzo Koshiro (b. 12.12.1967): Schon mit 5 Jahren lernte er Piano, später autodidaktisch Programmierung und Musiksoftware. Gründete 1990 Ancient mit Mutter Tomo und Schwester Ayano. Neben Streets schrieb er auch Musik für Dragon Slayer, Ys, ActRaiser, Revenge of Shinobi und später Terranigma . Seine Technik „Music Love“ ermöglichte erstmals FM‑Synth‑Klänge wie TR‑808/909 & TB‑303 auf dem Mega‑Drive .
- Ayano Koshiro: Art‑Direktorin, verantwortlich für Charakterdesign, Animation und Planung – prägte die imposanten Gegnerdesigns und Spielanimationen.
- Motohiro Kawashima: Co‑Komponist, sein Track “Expander” beeinflusste später Chiptune- und Trance-Szene.
- Ancient Corp.: Gegründet 1990, kleines, spezialisiertes Team (u. a. für Beyond Oasis, Shenmue) mit familiärem Charakter.
Kurzer Vergleich mit den Vorgängern und Nachfolgern
Vs. Streets of Rage I: Mehr Spielfluss, flüssigere Animationen, bessere Steuerung, größere Levels, coole Spezialangriffe und deutlich besserer Sound. Der erste Teil wirkt dagegen heute fast rudimentär.
Vs. Streets of Rage III: Der dritte Teil setzt auf experimentellen Jungle‑Sound, der polarisiert – technisch fortschrittlich, aber emotional kälter. Die Grafik ist bunter, aber die Spielbalance leidet, und viele blitzartige Specials wirken übertrieben. Teil II bleibt deshalb für viele das Herzstück der Serie.
Unser PRO-TIPP
Wenn du mit Max spielst, nutze seine Spezialfähigkeit gezielt gegen mehrere Gegner – sie fügt hohen Schaden zu, kostet aber Lebensenergie. Kombiniere sie mit einer Rolle im richtigen Moment, um Energie zurückzuerlangen, sofern du das Item hast.
Außerdem: Skate eignet sich optimal für schnelle Strafpunkte – kontere gegnerische Schlagkombos mit Doppeltipp-Blitz, beweg dich flink um sie herum und setz dann deine Shower-Kicks ein. Geduld und Tempo zahlen sich hier aus.
Was wir gut und weniger gut gefunden haben
Pro
- Vielfältige Charaktere mit eigenem Stil
- Flotter Mix aus Kraft, Geschwindigkeit und Technik
- Studio‑nahe Clubmusik‑Intensität
- Bildgewaltige Optik für Mega‑Drive‑Verhältnisse
- Kooperatives Spiel und schneller Duellmodus
- Wiedererkennungswertige, eingängige Kompositionen
Kontra
- Kollisionen teils unpräzise
- Schwankende Balance zwischen Figuren
- Einige Stages wirken extra schwer (z. B. Fabrik-Level)
Unsere Persönliche Bewertung
„Streets of Rage II“ ist für uns die Blaupause, wie ein Beat-em-up auf 16‑Bit aussehen sollte – mächtige Charaktere, präzise Steuerung und abwechslungsreiche Mechaniken. Die Musik zelebriert eine dröhnende Club‑Atmosphäre in jeder Stufe. Dennoch hat es ein paar Schwächen: Die Kollisionsabfrage ist teils ungenau, selten kommt es zu unfairen Push‑Backs. Auch die Balance zwischen den Charakteren ist nicht perfekt – Skate fühlt sich kurz super, wird aber später schnell zum Softie. Und der Schwierigkeitsanstieg in der Munitionsfabrik‑Stage kann frustrieren. Trotzdem überwiegt das, was zählt: der Spielspaß bleibt auch nach Jahrzehnten ungebrochen.
Anekdote aus der Redaktion
Unser Redakteur erinnert sich: „Ich hab das Teil damals in einem Spieleladen in Hamburg ergattert – an der Kasse lief ‘Never Return Alive’ im Klangtest. Eine Mischung aus Dubstep‑Beat und Orchester‑Hintergrund. Ich dachte, die spielen’s in ’nem Club – bis ich gesehen hab, das ist im Mega‑Drive‑Soundtest.“
Das passte perfekt zum Vibe: Wenn du heute noch den Titelbildschirm startest und Yuzos Hypnotic-Loop hörst, fühlst du dich direkt wie in einem 90er‑Club, der zufällig in deiner Spielekonsole steckt.
Also schnapp dir dein Mega‑Drive‑Pad, dreh die Bässe auf und zeig den Straßen, wer das Sagen hat – Streets of Rage II lässt dich garantiert nicht kalt.
„Mit „Streets of Rage II“ landete Sega einen Moment, in dem Musik, Grafik und Gameplay perfekt im Flow waren. Es ist ein mitreißendes Paket aus Nostalgie, purer Energie und Level‑Design, das auch heute noch packt. Wenn du in Erinnerungen an nächtliche Couch-Duelle oder das Summen der Mega‑Drive‑Hardware schwelgen willst, dann ist das hier DER Titel. Und wenn du‘s aktuell spielst – schnapp dir Max oder Skate und reiß die Hood ab.“